Reizkolon
chronisches Reizkolon-Syndrom, Reizkolonsyndrom
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Das Reizkolon wird auch als Reizkolon-Syndrom (Reizkolonsyndrom) bezeichnet.
Ursachen:
Beim Reizkolon besteht eine Anfälligkeit des Dickdarms gegenüber verschiedensten Schädlichkeiten, oft als Folge infektiöser (= ansteckungsfähiger, ansteckender, übertragbarer) oder parasitärer (= verursacht durch ein- oder mehrzellige Pflanze oder Tier als Lebewesen, das sich auf oder in einem anderen Lebewesen auf dessen Kosten ernährt) Colitis (= Dickdarmentzündung), aber auch psychosomatisch, bei Allergie usw..
Symptome (= Krankheitszeichen):
Es sei noch hinzugefügt, daß diese Krankheit sich nicht unbedingt nur auf das Kolo n (= Grimmdarm) beschränkt.
Bestehen lageabhängig Schmerzen im rechten Oberbauch, so ist differentialdiagnostisch (= was außer Reizkolon sonst noch an Krankheiten infrage kommen könnte) an das sog. Kolo n migrans, auch als Kolo n mobile bezeichnet, zu denken. Bei dieser Erkrankung besteht eine abnorme Beweglichkeit des Kolo n ascendens (= aufsteigendes) wegen fehlender Fixierung an der Bauch wand.
Schmerztherapie beim Reizkolon
Nicht selten sind die Bauchschmerzen beim Reizkolon nicht in den Griff zu bekommen, so daß dann schmerz therapeutische Behandlungsmethoden gefragt sind. Oft sind diese bei verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen, da sie sich nach den Schmerzen und ihrer Ausdehnung und nicht mehr vorrangig nach der Ursache richten. Ein länger bestehendes Reizkolon erfordert praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren, die i.d.R. nur in spezialisierte Zentren (Schmerzkliniken) angeboten werden können. Bei Reizkolon sind dies:
1. Information über die Erkrankung
2. Medikamentöse Schmerzbehandlung (u.a. Analgetika (= Schmerzmittel), auch Spasmolytika (= krampflösende Mittel), Psychopharmaka, auch als Infusionen, individuell ausgetestet)
3. Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) in Form von Infiltrationen in den Head`schen Zonen (= eine über das zugehörige Rückenmarksegment laufende Querverbindung zu dem zugeordneten inneren Organ) und evtl. rückenmarknahen Blockaden, auch kontinuierlich mit Katheter
4. Akupunktur (Schmerzakupunktur)
5. Evtl. TENS-Therapie (schmerzlindernde elektrische Ströme, die von einem kleinen tragbaren Gerät abgegeben werden)
6. Psychologische Therapieverfahren (bes. Entspannungsverfahren und Schmerzbewältigungstraining)
7. Diätetische Maßnahmen entspr. der Ursache
8. Evtl. Physiotherapie (z.B. Kolo n-Massagen)
Therapeutische Lokalanästhesie (= Betäubung bzw. Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) beim Reizkolon
Die einfachste diesbezügliche Methode ist eine wiederholte (stationär 2 x täglich, auch an Wochenenden über 10-14 Tage) Triggerpunktbehandlung mit einem lang wirkenden örtliche Betäubungsmittel. Dabei werden schmerz hafte Reizpunkte am Bauch infiltriert, wodurch es über die entsprechende Head Zone (= eine über das zugehörige Rücken mark segment laufende Querverbindung zu dem zugeordneten inneren Organ) zu einer Entkrampfung und Durchblutungssteigerung im zugehörigen Darm abschnitt kommt.
Eine sehr hilfreiche und effektive
Therapiemethode bei Reizkolon ist, so zusagen als nächst höhere
Behandlungsstufe, die kontinuierliche epidurale
(= rückenmarknahe)
Blockade mit Katheter.
Neben der erwünschten Unterbrechung der Schmerzreizleitung ist ein weiterer
nicht zu unterschätzender Vorteil, daß bei dieser Therapie, sozusagen als
Nebeneffekt, auch der
Grenzstrang
(= paarige Nervenstränge des unwillkürlichen
Nervensystems neben der
Wirbelsäule) mit einbezogen wird, so daß es gleichzeitig zu einer erheblichen
Durchblutungssteigerung kommt, die jeder entzündlichen Schmerzursache
kausal (= auf die Ursache gerichtet)
entgegenwirkt. Auch ein Spasmus
(= Verkrampfung, Krampf)
des Darmes wird mit dieser Methode
nachhaltig positiv beeinflußt.
Wirkung und Ausmaß einer lumbalen
(= den Lendenbereich betreffenden)
epiduralen Blockade kann individuell mittels
Lokalanästhetikamenge
(=
Betäubungsmittelmenge) und
-konzentration so gesteuert werden, daß die Schmerzreize aus dem gesamten
Bauchraum
bei weitgehend erhaltener Motorik
(= Muskelkraft) blockiert werden. Der
Erhalt der Motorik hat den Vorteil, daß die Patienten sich unter dieser Therapie
weiter frei bewegen können.
Bei der sog.
kontinuierlichen epiduralen Blockade
(= Betäubung) mit Katheter
wird ein dünner Kunststoffschlauch vom
Rücken her
dicht an das Rückenmark eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine
spezielle Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der
Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der
vorangegangenen Dosis, das
Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel)
völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des
örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe
angeschlossen werden. Bei technischer Beherrschung, adäquater
Lokalanästhetika
-Dosierung und Beachtung der hygienischen Belange kann das
Behandlungsrisiko als vertretbar eingestuft werden.
Bei einem längerfristig bestehenden Reizkolon ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
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Aktualisiert: >20.06.2007</>
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