REIZDARM
Chronischer Reizdarm
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dieser Seite)
9.
Viszeraler Schmerz
9.2
Darmschmerzen
9.2.1
Morbus Crohn
9.2.2
Colitis ulcerosa
9.2.3 Reizdarm (chronischer)
Der Reizdarm, auch als Reizdarm -Syn drom bezeichnet, gehört zur Gruppe der funktionellen Darmstörungen.
20% aller
Magen
-
Darm
-Beschwerden sind auf einen Reizdarm zurückzuführen. Der Reizdarm
tritt typischerweise erstmals zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr in
Erscheinung. In Deutschland erkrankt jeder Fünfte in der Bevölkerung daran.
Frauen sind zwei- bis dreimal so häufig betroffen wie Männer.
Manche Autoren sehen den Reizdarm als Teil einer sog. vegetativen Dystonie
(= Störungen von
Körperfunktionen infolge einer Fehlregulation des vegetativen
Nerven
systems)
(Hegglin 1964).
Ein chronischer (= länger als drei Monate anhaltender) Reizdarm geht mit folgenden Krankheitszeichen einher:
Auch sind die Stühle in
ihrem Aussehen sehr wechselhaft. Wenn die Obstipation
(= Stuhlverstopfung) im Vordergrund steht, sind sie kleinkugelig (Ziegenstuhl) oder
bleistiftartig. In der Durchfallperiode sind sie unzusammenhängend, manchmal
wässerig. Schleimbeimengungen sind häufig.
Patienten mit einem Reizdarm klagen oft über Abgeschlagenheit,
Konzentrationsschwierigkeiten und Schlafstörungen.
Beim Reizdarm besteht eine Anfälligkeit des Dickdarms gegenüber verschiedensten Schädlichkeiten, oft als Folge infektiöser (= ansteckungsfähiger, ansteckender, übertragbarer) oder parasitärer (= verursacht durch ein- oder mehrzellige Pflanze oder Tier als Lebewesen, das sich auf oder in einem anderen Lebewesen auf dessen Kosten ernährt) Kolitis (= Dickdarmentzündung), aber auch psychosomatisch, bei Allergie usw..
Typische krankhafte Befunde
gibt es beim Reizdarm nicht, gleichwohl gilt es, andere Krankheiten
differentialdiagnostisch
(= was sonst noch an
Krankheiten infrage kommen) sicher
auszuschließen, so z.B.
Morbus Crohn,
Kolitis ulcerosa,
Tumore
bzw. Metastasen.
Manchmal sind bei Patienten mit einem Reizdarm vorwiegend im linken
Unterbauch
druckschmerzhafte, strangartige Verhärtungen zu tasten.
Ratschläge zur Linderung
von Reizdarm -Beschwerden:
Größere Mengen einer neutralen Flüssigkeit (z.B. Wasser) trinken.
Vermeidung von Speisen und Getränke, zu Blähungen führen: z.B. starke Gewürze,
Kaffee, Alkohol, Nikotin.
Nahrungsaufnahme in kleinen Portionen.
Gegen stärkere, krampfartige Reizdarm -Schmerzen verschreibt der behandelnde Arzt Spasmolytika (= Mittel gegen Krampfzustände).
Schmerztherapie beim Reizdarm:
Nicht selten sind die Bauchschmerzen beim Reizdarm nicht in den Griff zu bekommen, so daß dann schmerz therapeutische Behandlungsmethoden gefragt sind.
Spezielle Schmerztherapie / Therapeutische Lokalanästhesie beim Reizdarm
Die einfachste diesbezügliche Methode ist eine wiederholte Triggerpunktbehandlung mit einem Lokalanästhetikum (= örtliches Betäubungsmittel). Dabei werden schmerzhafte Reizpunkte am Bauch infiltriert, wodurch es über die entsprechende Head Zone (= eine über das zugehörige Rücken mark segment laufende Querverbindung zu dem zugeordneten inneren Organ) zu einer Entkrampfung und Durchblutungssteigerung im zugehörigen Darm abschnitt kommt.
Eine sehr hilfreiche und effektive
Therapiemethode bei Reizdarm ist, so zusagen als nächst höhere
Behandlungsstufe, die kontinuierliche epidurale
(= rückenmarknahe)
Blockade mit Katheter*.
Neben der erwünschten Unterbrechung der Schmerzreizleitung ist ein weiterer
nicht zu unterschätzender Vorteil, daß bei dieser Therapie, sozusagen als
Nebeneffekt, auch der
Grenzstrang
(= paarige Nervenstränge des unwillkürlichen
Nerven
systems neben der
Wirbelsäule) mit einbezogen wird, so daß es gleichzeitig zu einer erheblichen
Durchblutungssteigerung kommt, die jeder entzündlichen Schmerzursache kausal
(= auf die Ursache
gerichtet) entgegenwirkt. Auch ein
Spasmus (=
Verkrampfung, Krampf) des Darmes wird
mit dieser Methode nachhaltig positiv beeinflußt.
Wirkung und Ausmaß einer lumbalen
(= den Lendenbereich betreffenden)
epiduralen Blockade kann individuell mittels
Lokalanästhetikamenge
(=
Betäubungsmittelmenge) und
-konzentration so gesteuert werden, daß die Schmerzreize aus dem gesamten
Bauchraum
bei weitgehend erhaltener Motorik
(= Muskelkraft) blockiert werden. Der
Erhalt der Motorik hat den Vorteil, daß die Patienten sich unter dieser Therapie
weiter frei bewegen können.
* Bei der sog. kontinuierlichen epiduralen Blockade (= Betäubung) mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch vom Rücken her dicht an das Rückenmark eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine spezielle Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das Lokalanästhetikum (= örtliches Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Bei technischer Beherrschung, adäquater Lokalanästhetika-Dosierung und Beachtung der hygienischen Belange kann das Behandlungsrisiko auch bei einem Reizdarm als vertretbar eingestuft werden.
Bei einem längerfristig bestehenden Reizdarm (chronischer) ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
Ergänzende Datei (einfach anklicken): Bauchschmerz
Was bringt die Gesundheitsreform für Schmerzpatienten ? Eine Zusammenfassung: www.schmerzklinik.com/gesundheitsreform (einfach anklicken)
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Aktualisiert: >20.06.2007</>
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